Inhalt (8 Abschnitte)
- Wie können Sie eine Grundfähigkeitsversicherung kündigen?
- Was passiert finanziell bei einer Kündigung?
- Beitragsfreistellung statt Kündigung – was ist das?
- Welche Möglichkeiten gibt es bei Zahlungsschwierigkeiten?
- Was verlieren Sie mit einer Kündigung?
- Was gehört in ein Kündigungsschreiben – und was sollten Sie vorher prüfen?
- Wann kann eine Kündigung besonders teuer werden?
- Welche Alternativen gibt es zur Kündigung?
- Laut § 168 Abs. 1 VVG können Versicherungsnehmer bei laufenden Prämien jederzeit zum Schluss der laufenden Versicherungsperiode kündigen; die gelesenen Bedingungen der Alte Leipziger, der NÜRNBERGER und der Bayerischen nennen Textform.
- Bei Alte Leipziger und NÜRNBERGER zahlt der Versicherer bei Kündigung nichts aus und erstattet keine Beiträge; bei der Bayerischen wird ein angesammeltes Überschussguthaben ausgezahlt.
- Alternativen zur Kündigung sind die Beitragsfreistellung (Rente sinkt), die befristete Beitragspause oder Stundung bei Zahlungsschwierigkeiten sowie der Wechsel in eine BU, wo Tarife das vorsehen.
- Nach einer Kündigung ist ein neuer Vertrag eine Neuprüfung: Alter, Beruf und Annahme zählen dann wieder.
Eine Grundfähigkeitsversicherung können Sie bei laufenden Prämien jederzeit zum Schluss der laufenden Versicherungsperiode kündigen (§ 168 Abs. 1 VVG). In den gelesenen Bedingungen der Alte Leipziger und der NÜRNBERGER zahlt der Versicherer dabei nichts aus und erstattet keine Beiträge; die Bayerische zahlt einen angesammelten Überschussbetrag aus (Stand der Bedingungen 03.2026 bis 07/2026).
Wie können Sie eine Grundfähigkeitsversicherung kündigen?
Der gesetzliche Rahmen ist knapp. § 168 Abs. 1 VVG lautet sinngemäß: Sind laufende Prämien zu zahlen, kann der Versicherungsnehmer das Versicherungsverhältnis jederzeit für den Schluss der laufenden Versicherungsperiode kündigen. Das heißt: Es gibt keine Mindestlaufzeit, die Sie im Gesetz zwingend bindet; maßgeblich ist die Versicherungsperiode, also bei monatlicher Zahlung typischerweise das Ende des Monats, bei jährlicher Zahlung das Ende des Zahljahres. Ob § 168 VVG auf Ihren Vertrag im Einzelfall anwendbar ist, sollte im Zweifel eine Fachperson bestätigen; die Bedingungswerke bestätigen das Kündigungsrecht ausdrücklich.
Die gelesenen Bedingungen sind konkret: Die Alte Leipziger lässt die Kündigung „zum Ende eines Monats in Textform“ zu (GF10, § 25). Die NÜRNBERGER erlaubt sie jederzeit zum Schluss der laufenden Versicherungsperiode, also bei beitragspflichtigen Verträgen zur nächsten Beitragsfälligkeit (GN331010, § 17), und auch teilweise, sofern der verbleibende Jahresbeitrag mindestens 120 € und die verbleibende beitragspflichtige Monatsrente mindestens 50 € beträgt. Die Bayerische nennt in § 21 die Beitragsfreistellung oder Kündigung jederzeit in Textform. Textform bedeutet nach den Bedingungen etwa Brief oder E-Mail. Für die Formalie genügt ein kurzes Schreiben mit Versicherungsnummer, Name und Kündigungswunsch; Musterschreiben gibt es bei der Seite BU kündigen für die Berufsunfähigkeitsversicherung, deren Logik ähnlich ist.
Was passiert finanziell bei einer Kündigung?
| Versicherer | Wirksamkeit | Auszahlung | Beitragsrückzahlung |
|---|---|---|---|
| Alte Leipziger | Zum Ende eines Monats, Textform | Nichts | Keine |
| NÜRNBERGER | Zum Schluss der laufenden Versicherungsperiode | Kein Rückkaufswert; vorhandene Überschüsse nur, wenn vorher prämienfrei umgewandelt | Nicht verlangbar |
| Die Bayerische | Jederzeit, Textform; Beitragsfreistellung zum Schluss der Versicherungsperiode | Stand eines Ansammlungsguthabens | Nicht vorgesehen |
Der Befund ist ernüchternd, aber logisch: Die Grundfähigkeitsversicherung ist eine Risikoversicherung. Die NÜRNBERGER schreibt ausdrücklich, die Bildung eines Kapitals sei nicht Vertragszweck, und das Deckungskapital erreiche bei bestimmten Vertragsgestaltungen nie einen positiven Wert (§ 18). Wer kündigt, verliert den Schutz und hat im Gegenzug nur die bereits gezahlte Sicherheit für die Zeit gehabt, in der er versichert war. Das bedeutet auch: Wer vor einer Kündigung steht, sollte nicht auf Rückfluss hoffen, sondern auf Alternativen schauen.
Beitragsfreistellung statt Kündigung – was ist das?
Die Beitragsfreistellung, im Gesetz „Umwandlung in eine prämienfreie Versicherung“ (§ 165 Abs. 1 VVG), setzt die Rente auf einen reduzierten Betrag herab, und Sie zahlen keine Beiträge mehr. Der Schutz bleibt in der gekürzten Höhe erhalten. Die Bedingungen unterscheiden sich im Detail:
- NÜRNBERGER: Voraussetzung ist, dass die herabgesetzte prämienfreie Monatsrente mindestens 50 € beträgt. Teilweise Befreiung ist nur möglich, wenn der verbleibende Jahresbeitrag mindestens 120 € und die Monatsrente mindestens 50 € beträgt. Eine Wiederinkraftsetzung ist innerhalb von drei Jahren nach der Umwandlung möglich, aber von einer erneuten Risikoprüfung abhängig (§ 18).
- Die Bayerische: Die Beitragsfreistellung ist jederzeit in Textform verlangbar und wird zum Schluss der Versicherungsperiode wirksam; es erfolgt ein Abzug von 30 % der definierten Beitragssumme, der als angemessen begründet wird und nach Nachweis herabgesetzt werden kann (§ 21).
- Alte Leipziger: Die Regelungen zur Beitragsfreistellung stehen in den Allgemeinen Bedingungen; der Schwerpunkt liegt auf der befristeten Aussetzung (siehe unten).
Wichtig ist der Unterschied zur Kündigung: Bei der Beitragsfreistellung behalten Sie einen Teil des Schutzes. Wer die Kündigung erwägt, weil der Beitrag zu hoch ist, sollte vorher fragen, wie hoch die prämienfreie Rente wäre. Nach der Umwandlung haben Sie, wie die NÜRNBERGER schreibt, an sich keinen Anspruch auf Wiederinkraftsetzung; der Versicherer darf sie ablehnen oder an Bedingungen knüpfen, etwa daran, dass sich der Gesundheitszustand nicht verschlechtert hat. Bei der BU gilt eine ähnliche Mechanik.
Welche Möglichkeiten gibt es bei Zahlungsschwierigkeiten?
Wer vorübergehend nicht zahlen kann, muss nicht gleich kündigen. Die gelesenen Bedingungen nennen Wege, den Schutz zu erhalten:
| Möglichkeit | Alte Leipziger | NÜRNBERGER |
|---|---|---|
| Befristete Aussetzung | Beitragspause bis 24 Monate, wenn die ersten zwölf Monate bezahlt sind; Leistungen verringern sich dauerhaft oder der Beitrag steigt | Befristete Umwandlung für maximal 12 Monate mit automatischer Wiederinkraftsetzung ohne neue Risikoprüfung |
| Stundung | Bis 24 Monate (bei 24 gezahlten Monaten bis 36) zinsfrei; Ausgleich einmalig, in Raten oder per Überschussguthaben | Bis 24 Monate zinslose Stundung ohne Angabe von Gründen, begrenzt durch das Deckungskapital |
| Überschussverrechnung | Verrechnung von Beiträgen mit Guthaben möglich | Entnahme aus Überschussguthaben, wenn vorhanden |
Das Muster ist ähnlich: Der Schutz soll in einer Krisenphase bestehen bleiben, die Kosten werden später ausgeglichen. Beachten Sie die Nebenfolgen. Bei der Alten Leipziger können während der Beitragspause keine Ausbau- oder Nachversicherungsgarantie ausgeübt werden, und eine Dynamik wird nicht planmäßig erhöht. Bei der NÜRNBERGER erfordert die Wiederinkraftsetzung nach der befristeten Umwandlung in der Regel einen höheren Beitrag oder reduziert den Schutz. Fragen Sie vor einer Vereinbarung nach den konkreten Zahlen, am besten schriftlich.
Was verlieren Sie mit einer Kündigung?
Ein Teil des Wertes steckt in Optionen. Wer kündigt, verliert Wechselrechte in die BU (Seite Von der Grundfähigkeit in die BU wechseln), Nachversicherungsgarantien und den Vorteil eines Eintrittsalters, das heute gilt. Bei einem Neuabschluss gelten Alter, Beruf und Annahmerichtlinien zum neuen Zeitpunkt, und die Annahme ist eine neue Prüfung, bei der Zuschläge oder Ausschlüsse möglich sind. Genau deshalb betonen die Bedingungen, dass etwa Wechselrechte nur bestehen, wenn der Vertrag ohne Zuschläge angenommen wurde. Eine Kündigung ist also im Zweifel eine Entscheidung mit langem Schatten.
Das gilt auch für den Fall, dass ein Leistungsfall droht oder bereits eingetreten ist: Wer arbeitsunfähig ist oder einen Verlust einer Grundfähigkeit erleidet, sollte vor einer Kündigung klären, ob Ansprüche bestehen, denn die Leistung hängt vom Eintritt des Versicherungsfalls während der Versicherungsdauer ab. Eine Rechtsberatung im Einzelfall können wir nicht leisten; für Streitfälle gibt es Fachanwälte für Versicherungsrecht, der Versicherungsombudsmann e. V. als Schlichtungsstelle und die Verbraucherzentralen.
Was gehört in ein Kündigungsschreiben – und was sollten Sie vorher prüfen?
Die Formalie ist einfach, die Vorbereitung lohnt. In das Schreiben gehören Ihr Name, die Versicherungsnummer, die Erklärung, dass Sie den Vertrag zum nächstmöglichen Termin kündigen, und Ihre Unterschrift oder bei E-Mail eine eindeutige Absenderangabe. Bitten Sie um eine schriftliche Bestätigung mit Nennung des Beendigungstermins. Bewahren Sie Versandnachweis und Antwort auf. Wenn mehrere Personen beteiligt sind – etwa Versicherungsnehmer und versicherte Person (zum Beispiel ein Elternteil für ein Kind) –, klären Sie, wer kündigungsberechtigt ist.
Vor dem Versand lohnen fünf Prüfungen. Erstens: der Zeitpunkt. Bei Kündigung zum Ende der Versicherungsperiode läuft der Schutz bis dahin weiter; eine Kündigung mitten im Zahlungszeitraum bringt keine anteilige Rückerstattung, wie die Bedingungen mit „keine Beitragsrückzahlung“ klarstellen. Zweitens: die Optionen. Prüfen Sie, ob Sie Wechsel- oder Nachversicherungsrechte besitzen, die an das Bestehen des Vertrags gebunden sind. Drittens: die Beitragsfreistellung als Zwischenstufe. Viertens: die Lage Ihrer sonstigen Absicherung, etwa einer BU, die Lücken lässt. Fünftens: die Gesundheitslage und der Gedanke an einen Neuabschluss. Wir fragen Sie dazu nichts ab; ein Experte kann prüfen, wie ein Neuabschluss aussähe, ohne dass Ihr Name bei Versicherern fällt (anonyme Risikovoranfrage) – und ob dabei sogar eine BU möglich ist.
Wann kann eine Kündigung besonders teuer werden?
Teuer wird sie dann, wenn ein Neuabschluss unter schlechteren Bedingungen erfolgt. Mit dem Alter steigt der Beitrag, mit jeder Verschlechterung des Gesundheitszustands kann die Annahme schwieriger werden, und Berufswechsel können die Berufsgruppe verändern. Hinzu kommt, dass Versicherer ihre Katalogdefinitionen weiterentwickeln; ein neuer Vertrag kann bessere, aber auch andere Bedingungen haben als ein älterer. Ob Ihr alter Vertrag Vorteile hat, die ein neuer nicht bietet, zeigt nur der Vergleich der Texte. Die Seite Grundfähigkeitsversicherung vergleichen nennt Kriterien.
Ein zweiter Fall sind Verträge mit Beitragsbefreiung und Rentenleistung im Leistungsfall: Wer eine Leistung bezieht, kündigt in der Regel nicht, weil die Beitragsbefreiung und die laufende Rente an den Vertrag gebunden sind. Wer unsicher ist, ob ein Leistungsanspruch besteht, sollte zuerst klären lassen, ob die Voraussetzungen eines Katalogverlusts erfüllt sind, bevor er einen Vertrag beendet.
Welche Alternativen gibt es zur Kündigung?
1. Beitrag senken
Prüfen Sie, ob Bausteine wegfallen können, die Sie nicht brauchen. Bei der Alten Leipziger können Bausteine zum Monatsende herausgenommen werden; herausgenommene Bausteine können nicht wieder hinzugefügt werden (GF10, § 24).
2. Beitragspause oder Stundung
Bei vorübergehenden Engpässen erhalten Sie den Schutz mit Nachzahlung oder kleinerem Leistungsniveau.
3. Beitragsfreistellung
Sie behalten einen Teil des Schutzes; die Rente sinkt. Fragen Sie nach den Garantiewerten.
4. Wechsel in die BU
Wo Tarife das vorsehen und die Voraussetzungen erfüllt sind, kann der Wechsel eine Alternative zur Kündigung sein.
5. Vergleich mit neuen Angeboten
Der Kostenvergleich zeigt den Beitrag je 100 € Rente; ein Experte prüft die Annahme.
Bevor Sie kündigen, lohnt eine Bestandsaufnahme der Bedingungen: Was deckt Ihr Vertrag, was kostet ein vergleichbarer Neuvertrag in Ihrem heutigen Alter, und welche Optionen würden Sie aufgeben? Die Seite Bedingungen lesen hilft beim Sichten. Wenn Sie nicht sicher sind, ob die Grundfähigkeitsversicherung die passende Absicherung bleibt, erhalten Sie mit dem kostenlosen Check auf der Startseite in 60 Sekunden Ergebnis und Fahrplan per E-Mail und sprechen anschließend mit einem Experten über Ihre Möglichkeiten – bis hin zur BU.
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Absicherungs-Entscheider (PDF)Häufige Fragen
Kann man eine Grundfähigkeitsversicherung kündigen?
Ja. Bei laufenden Prämien können Sie das Versicherungsverhältnis jederzeit für den Schluss der laufenden Versicherungsperiode kündigen (§ 168 Abs. 1 VVG). Die Bedingungen der gelesenen Versicherer nennen die Textform.
Bekomme ich bei einer Kündigung Geld zurück?
In den gelesenen Bedingungen der Alte Leipziger (§ 25) und der NÜRNBERGER (§ 17) nein: kein Rückkaufswert, keine Beitragsrückzahlung. Die Bayerische zahlt einen angesammelten Überschussbetrag aus (B 660702, § 5).
Kann man eine Grundfähigkeitsversicherung beitragsfrei stellen?
Ja, bei den gelesenen Versicherern, mit abgesenkter Rente. Die NÜRNBERGER verlangt eine prämienfreie Monatsrente von mindestens 50 €; die Bayerische nimmt einen Abzug von 30 % der definierten Beitragssumme vor (§ 21).
Was ist besser: kündigen oder beitragsfrei stellen?
Beitragsfreistellung erhält einen Teil des Schutzes, senkt aber die Rente. Kündigung beendet den Schutz vollständig. Die NÜRNBERGER weist darauf hin, vorab andere Möglichkeiten bei Zahlungsschwierigkeiten zu prüfen.
Was passiert, wenn ich nach der Kündigung neu abschließe?
Dann gelten Alter, Beruf und Annahmebedingungen zum neuen Zeitpunkt, und Optionen des alten Vertrags wie Wechsel- oder Nachversicherungsrechte sind verloren.
Quellen
- § 168 VVG – Kündigung des Versicherungsnehmers – abgerufen 25.10.2026
- § 165 VVG – Prämienfreie Versicherung – abgerufen 25.10.2026
- Alte Leipziger: Allgemeine Bedingungen Grundfähigkeitsversicherung (GF10), pm 2370 – Stand 03.2026, §§ 20, 25, abgerufen 25.10.2026
- NÜRNBERGER: Allgemeine Bedingungen Grundfähigkeitsversicherung, GN331010 – Fassung 07/2026, §§ 16 bis 18, abgerufen 25.10.2026
- Die Bayerische: Allgemeine Bedingungen Grundfähigkeiten-Versicherung, B 660702 – Stand 07/2026, § 21, abgerufen 25.10.2026
- Verbraucherzentrale NRW: Grundfähigkeitsversicherung – Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung? – Stand 08.05.2025
Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen zu der Absicherung der Arbeitskraft (Stand: 25. Oktober 2026). Er ersetzt keine individuelle Beratung. Welche Lösung zu Ihnen passt, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab, z. B. Alter, Gesundheit, Einkommen und Familie. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen wir keine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität; Gesetze und Tarife ändern sich. Produktbeschreibungen auf dieser Seite sind allgemeine Einordnungen aus den genannten Quellen, keine Tarifempfehlung und keine Aussage über einzelne Versicherer; maßgeblich sind die Bedingungen des jeweiligen Tarifs. Herausgeber: Grundfähigkeit-Check.de. Grundfähigkeit-Check.de ist kein Versicherungsmakler und bietet keine Versicherungs-, Rechts- oder Steuerberatung an; eine individuelle Beratung erfolgt ausschließlich durch spezialisierte Kooperationspartner mit Erlaubnis nach § 34d GewO.